Montag, 25. Februar 2008

Erfahrungsbericht vom Goldwaschen in Dawson City

Autor: Paul Tresselt

Wenn Sie einfach mal Abenteuerlust verspüren, dann sollten Sie sich eine Reise zum Yukon/Klondike, nach Dawson City in Kanada gönnen.

Die Goldgräberstad im Norden Kanadas an der Grenze zu Alaska.

Das ist ein Erlebnis! Ich habe schon in Alaska, am Colorado und in vielen Gegenden Kanadas Gold gewaschen. Erfolgreich ist man überall. Aber am Klondike ist es am spannendsten.
Natürlich auch deshalb, weil Dawson City in der Nähe ist. Dort gibt es wenigstens ein paar Vergnügungsstätten, um das Gold in andere Dinge umzuwechseln. Und schließlich ist Kanada auch deutlich preiswerter im Vergleich zu Alaska oder den Staaten mit dem teuren US-Dollar.
Nachfolgend habe ich eine kleine Anleitung zum Reichwerden für Sie geschrieben. Wenn Sie sich daran halten, finden Sie garantiert Gold, das kann ich versprechen.
Den Klondike kennen Sie sicher vom Hörensagen. Eigentlich ist es ein kleiner Fluss, der bei Dawson City in den Yukon mündet. Aber man bezeichnet damit das legendäre Goldfeld am Yukon nördlich von Whitehorse.
Die Condor fliegt inzwischen von Deutschland direkt nach Whitehorse, so dass Sie leicht von dort aus den Klondike-Highway am Yukon entlang nach Norden fahren können.

Bis Dawson City, am Zusammenfluss des Klondike in den Yukon gelegen, ist es eine gemütliche Tagesreise.

Sie sollten allerdings Ihre Unterkünfte vorbuchen. Die Städte dort oben sind viel kleiner, als wir uns das hier vorstellen.

Selbst Whitehorse, die Hauptstadt des Yukon Territory, hat nur 24.500 Einwohner.
Demnach ist auch das Beherbergungsangebot nicht besonders groß. Gute Erfahrungen habe ich auch mit Bed & Breakfast - Unterkünften gemacht.
Das ist besonders für Dawson City interessant. Dawson City selbst sieht aus wie ein übergroßer Regenwurmhaufen: Die ganze Gegend wurde durch die Goldwaschanlagen in den letzten 100 Jahren "verdaut" und als Geröllschlangen wieder ausgeschieden.
Man kann sich nicht vorstellen, dass irgendein Fleckchen dieser Gegend unverdaut geblieben sein könnte. Wenn Sie das Schild am Eingang von Dawson City sehen und die Aussagen der Leute hören, die dort Gold abbauen, muss es trotzdem immer noch etwas geben, was sich zu finden lohnt.
Dieser Eindruck wird unterstützt durch die aktuellen Fördermengen des letzten Jahres: Gold im Werte von 30 Millionen Dollar wurde allein im Jahre 2006 in dieser Gegend gefördert Es ist also noch etwas für Sie übrig geblieben.

Das tröstet Sie bei der Ankunft ungemein. Wenn Sie an den goldgelb dahin fließenden Bächen rings um Dawson City entlang spazieren, denken Sie sofort: "Da muss einfach Gold drin sein."

Rings um das Städtchen Dawson City (nur 2000 Einwohner, aber auf jeder Landkarte eingezeichnet) buddeln an den Creeks Dutzende von Goldgräbern und Minenbesitzern. Mit kleinen Baggern und Raupen wird alles umgegraben, was sich bewegen lässt.
Sie besorgen sich den "Guide to the Goldfields", das ist eine kostenlose Zeitung, die es überall am Yukon gibt. Sie bekommen sie sogar schon in Whitehorse. Oder Sie studieren auch direkt den "Dawson City Service Guide" mit einer Karte der umliegenden Goldfelder.
Beim Lesen geht Ihnen so richtig das Herz auf: Namen wie "Bonanza Creek", "Discovery Claim" oder "Bear Creek Mining Camp" lassen den Puls emporschnellen und gönnen Ihnen ab jetzt keine ruhige Minute mehr. Nichts wie hin!
Also fahren Sie am Bonanza Creek entlang, um den "Discovery Claim" zu bewundern, der 1896 Shookum Jim, Dawson Charlie und George Carmacks zu reichen Männern machte. Jeder glänzende Stein, den Sie in der Sonne aufblitzen sehen, wird ab sofort genau untersucht. Ob das echtes Gold ist? Woran kann man das erkennen?

So wächst in Ihnen der unbändige Drang, das Handwerk des Goldwaschens zu erlernen. Vielleicht mit einer geführten Tour am Bonanza Creek?
Beileibe nein! Fallen Sie ja nicht auf eine Touristenklitsche rein, die "Panning for nothing" anbietet! Dort gibt es nichts Echtes mehr.

Mein Tipp:

Besuchen Sie die Goldbottom Mine. Die Mine befindet sich am Goldbottom Creek ca 14 km von Dawson City entfernt. Sie erreichen Sie über die Hunker Creek Road (Die Mine ist auf der Karte als Nr.79 verzeichnet.). 20-30$ sollten Sie für eine Einführungslektion schon ausgeben. Das ist preiswert und was sie dafür geboten bekommen, ist unvergleichlich wissenswert.

Die freundlich lächelnde rothaarige Minenbesitzerin erklärt Ihnen alles, was Sie wissen müssen, um ein erfolgreicher Goldwäscher zu werden. Nebenbei erfahren Sie, dass es ganz einfach ist, einen Claim anzumelden. Die Registrierung kostet nur 10 $. Dafür erhalten Sie einen 300m langen und 150 m breiten Streifen am Bach entlang.
Darin ist die Berechtigung zur Oberflächenbearbeitung eingeschlossen. Für die Instandhaltung müssen Sie jährlich etwa 200$ aufbringen.

Die Goldbottom Mine wird übrigens von einem Geschwisterpaar betrieben, das 70 Claims besitzt. Allerdings müssen beide jedes Jahr in 3 Monaten soviel verdienen wie andere in 12 Monaten.
Der Boden ist hier nämlich tiefgefroren (Permafrost) und es taut im Sommer immer nur eine ca. 1m dicke Schicht auf. Nur dann können die Bagger arbeiten.
Während der übrigen Zeit ist nichts zu machen; nicht einmal mit schweren Raupenfahrzeugen; diese rutschen auf dem schmierigen Frostboden oder Schlamm einfach weg.
Wenn Sie die 15.000$ Schüttelmaschine besichtigen und erfahren, dass der Mechaniker, der sie bedient, dafür 80$ die Stunde bekommt, die Baggerfahrer 50$ pro Stunde verdienen und die Minenhilfsarbeiter 20$ die Stunde bekommen, wird Ihre zwischenzeitig aufgekommene Begeisterung zum Selbständigmachen in Kanada wahrscheinlich etwas gedämpft werden.
Auch wenn Sie hören, dass die Tagesausbeute eine Kaffeetasse voll Gold ist, so bleiben der Minenbesitzerin nach Abzug aller Unkosten nur 50.000 Dollar in den 3 Monaten.
Den Rest des Jahres arbeitet sie deshalb in einem anderen Job in Whitehorse. Warum Sie das alles macht? Weil Sie natürlich immer noch auf die ganz großen Nuggets hofft, die von Zeit zu Zeit gefunden werden.
Die lassen das Herz jedes Miners höher schlagen (Im Haus hat sie übrigens eine stattliche Sammlung davon; da bin ich richtig neidisch geworden!).
Sie selbst hat eine Gold-Waschmaschine - eine raffinierte Erfindung aus der Goldrush-Zeit.

Auf einer mit Wasser angetriebenen Blechschüssel wird durch kontinuierliches Spülen mit dem Wasserschlauch das Gold ausgewaschen. Stolz zeigt sie auf dem Foto die Tagesausbeute.
Das können Sie natürlich auch! Nach einem Acht Stunden Tag kommen Sie auf durchschnittlich 100$ pro Tag.

Na, wenn Sie das nicht motiviert! Sie können auf dem Minengelände eine Hütte für 20$ pro Tag mieten ( Blechofen und viel Holz inbegriffen), das Equipment ist billig:

Es besteht aus einer Schaufel, einer Blechschüssel (pan) und ein paar guten Gummistiefeln.

Wenn Sie das alles erfahren haben, hält Sie nichts mehr. Also Abmarsch zum Goldbottom Creek!
Als erfahrener Goldwäscher nehmen Sie natürlich auch einen Spaten und Ihr Schweizer Taschenmesser mit. Am Crow Creek in Alaska habe ich übrigens gesehen, dass die Profis auch noch viele Wollsocken, viele Dosen Bier, einen Whiskybecher mit zugehöriger Flasche, eine Lupe und einen Hammer mitnehmen.

Für 20$ können Sie den ganzen Tag waschen und alles behalten, was Sie finden. Da Sie clever sind, lassen Sie sich von der Minenbesitzerin erst mal zeigen, wo man überhaupt in diesem Uferschlamm gräbt und wie vielversprechendes Erdreich aussieht.

Sie lernen dann schnell, dass wahres Gold gar nicht glänzt. Alles, was glitzert, ist nämlich kein Gold. Wenn Sie Zweifel haben, machen Sie einfach die Hammerprobe. Wenn es splittert, ist es kein Gold; wenn es platt wird, ist es echt. Gold ist nämlich ungeheuer geschmeidig und sehr schwer.

Selbst kleinste Plättchen sinken zwischen Steinen und Schlamm nach unten. Das ist das Geheimnis des richtigen Goldwaschens, des "pannings".
Sie müssen nur die Schüssel mit dem goldhaltigen Erdreich und Wasser richtig schwenken.
Nach und nach sortieren Sie die dicken Steine aus, dann die Schlammteile und kleinen Bestandteile.
Immer wieder kommt frisches Wasser dazu, bis Sie schließlich am Boden die kleinen Goldkörnchen oder Goldplättchen durch das Wasser schimmern sehen.

Und die richtige Schwenktechnik ist gar nicht so schwer. Aber lassen Sie sich diese genau zeigen. Erst unter fachkundiger Anleitung wird es leicht und erfolgreich.

So sieht es dann nach einer halben Stunde später aus: Sie lösen sich von den anderen Leuten und ziehen bachaufwärts, weil dort keine anderen da sind, die Ihnen die dicken Nuggets wegschnappen können. Hier in der Einsamkeit erwächst erst richtig das Gefühl, ein echter Goldwäscher und Abenteurer zu sein.
Die erste Stunde in der Einsamkeit überstehen Sie ausgezeichnet, weil Ihre Finger von dem eiskalten Wasser des Baches noch nicht klamm geworden sind.
Die innere Hitze des Goldfiebers hält Sie warm. In der zweiten Stunde dringt die eisige Kälte des Creeks durch die Gummistiefel und Ihre Zehen geben Ihnen deutliche Schmerzsignale.
Ihr Rücken meldet sich und klärt Sie darüber auf, dass er keinesfalls gewillt, noch eine einzige Minute länger in dieser gebückten Haltung zu verbringen. Aber Gottseidank haben Sie in der dritten Stunde die ersten winzigen Edelmetallkörnchen entdeckt und sie zum Ufer in Sicherheit gebracht.
Die Suche nach einem geeigneten Versteck brachte etwas Abwechslung in das sture Schwenken des schwarzen Modders. Sie lächeln stolz und sind wieder bereit, sich ins eiskalte Wasser zu begeben.

In der vierten Stunde können Sie nicht mehr stehen, das Bücken macht Ihr Rücken auch nicht mehr mit; also gehen Sie in die Hocke, machen zwischendurch Streckübungen und haben schon gelernt, auf zwei Steinen im Bach zu stehen, damit die Füße nicht im Wasser sind.
Natürlich haben Sie versucht, sich zwischendurch immer ein wenig hinzusetzen und haben sich auch schon einen dicken Stein ins Wasser gerollt. Aber der ist so verflucht kalt, dass Sie das schnell gelassen haben.
Über die fünfte Stunde habe ich keine Erfahrungswerte, weil ich die Nase voll hatte; aber die Profis haben mir immer wieder erklärt, dass die restlichen Stunden des Tages so weiter gehen.

Wenn es dämmert, ist sowieso alles zu Ende, weil man dann keinen Schimmer mehr von dem edlen Stoff sieht. Dann schmeckt das Bier - oder je nach Wetter - der Whisky aber besonders gut.
Abends liefern Sie Ihre winzigen Goldplättchen bei der Minerin oder in einem Gold-Dust-Laden in Dawson City ab und starren gespannt auf die Waage, wie viele Unzen es denn wohl geworden sind.
Wenn Sie einigermaßen gut sind, sagen die Profis, schaffen Sie Gold für 100$ an einem Achtstunden-Tag.
Welch ein Job! Wenn Sie Ihre eiskalten Füße aus dem Wasser nehmen und mit schmerzendem Rücken zur Hütte staksen, spätestens dann werden Sie erkennen, wie leicht doch im Vergleich dazu ein Europäer seinen täglichen Hunderter verdient!
Und was ist das Faszinierende daran? Was zieht einen immer wieder dahin?
Die Nuggets. Es könnte ja sein, dass man einen erwischt, der so groß ist, dass man ein ganzes Jahr nicht zu arbeiten braucht.

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