Mittwoch, 1. November 2017

Goldknappe Rojacher und der Sonnblick


Rojacher und das Sonnblickobservatorium am Goldberg
Spitz Name: Kolm Naz 1844 - 1891

Ignaz Rojacher 1844 - 1891


Ignaz Rojacher und die Wetterwarte auf dem Hohen Sonnblick

Die Meteorologie war in den Achtzigerjahren des 19. Jhdts. noch eine ziemlich junge Wissenschaft. Aber die fortschreitende Entwicklung der Erforschung von Klima und Wetter hat die Erforschung der Vorgänge in den höheren Luftschichten zu einer unabweisbaren Notwendigkeit gemacht.

Gerade zu dieser Zeit wurde der österreichische Meteorologe Julius Hann, der sich mit seinen Untersuchungen über den Föhn, die Meteorologie der Alpengipfel und die Abnahme der Temperatur in der Höhe einen Namen gemacht hatte, vom internationalen Meteorologenkongress in Rom mit dem Referat über die Höhenobservatorien betraut.




Primär der Tatkraft von Ignaz Rojachers dem letzen Goldknappen von Rauris, ist es zu verdanken, dass auf dem Gipfel des Hohen Sonnblicks (3.106 m) das höchstgelegene Gipfelobservatorium Europas errichtet wurde. Anno 1879 empfahl Hann dem zweiten internationalen Meteorologenkongress mehrere Anträge zur Annahme.

Besonders betonte Hann die Notwendigkeit der Errichtung vollständig ausgerüsteter Observatorien auf dominierenden Berggipfeln und die Veröffentlichung der dort angestellten Beobachtungen in einer Form, welche sie allen Meteorologen zugänglich macht und gestattet, dieselben für Probleme nutzbar zu machen, welche unter Umständen in Zukunft auftauchen würden.

Hann vertrat damals die Meinung, es sei sinnvoll, ein aus internationalen Mitteln subventioniertes Observatorium auf einem Schweizer Berggipfel zu errichten. Darüber hinaus forderte Hann, als Direktor des österreichischen Beobachtungsnetzes, in den Alpenländern fortlaufende Beobachtungen auf hochgelegenen Punkten in den Alpen einzurichten, so auf der Schmittenhöhe, am Untersberg, am Radhausberg und auf anderen.

Ignaz Rojacher wurde zum Wegbereiter der Wetterwarte
Dazu schreibt Obermayer in seiner 1893 in Wien erschienenen Arbeit "Die Beobachtungsstation auf dem Hohen Sonnblick, ihre Anlage, ihre Entwicklung und ihre Kosten": "Die an die Vorschläge Hann's sich knüpfende Agitation hatte einen überraschenden und unerwarteten Erfolg, sie führte zur Entstehung einer Station auf dem Hauptkamm der Alpen und der höchsten Station in Europa überhaupt.

Schon im Herbst 1884 hatte der Besitzer des Gewerkes am Rauriser Goldberge, Herr Ignaz Rojacher, an den Central-AusschuB des Deutsch-Österreichischen Alpenvereins seine Geneigtheit ausgesprochen, bei dem Knappenhause in einer Höhe von 2340 m eine meteorologische Station zu errichten, wenn ihm die Instrumente hierzu leihweise überlassen würden.

Auf die bezügliche Mitteilung des Zentral-Ausschusses des Deutsch-Österreichischen Alpenvereines an die Direktion der k. u. k. Zentral-Anstalt für Meteorologie hatte letztere nicht gezögert, sich mit Rojacher in direkte Verbindung zu setzen und ihm die Instrumente, vorläufig zur Errichtung einer Station dritter Ordnung, zu überlassen.

Im Dezember war auch die Station schon eingerichtet; die zweckmäßige Aufstellung der Instrumente beim Knappenhaus bereiteten aber große Schwierigkeiten, und die Temperaturbeobachtungen erwiesen sich wegen Isolationseinflüssen als kaum verwendbar; auch die Niederschlagsmessungen scheiterten an den bekannten Schwierigkeiten der Schneemessung in großen Höhen.

Der unmittelbare Anstoß zur Errichtung eines Gipfelobservatoriums auf dem Hohen Sonnblick kam aber weder von Hann, noch von Dr. Wilhelm Ritter von Arlt oder von Rojacher, sondern vom damaligen Bezirkshauptmann in Zell am See, F. Eberle. Dieser Herr Eberle war es, der Rojacher dazu aufmunterte, allen Schwierigkeiten zum Trotz auf einem der Gipfel der Goldberggruppe eine Wetterwarte einzurichten.

Nach langen, reiflichen Überlegungen und gestützt auf einige speziell zu diesem Zwecke unternommenen Besteigungen des Herzog Ernst, des Rauriser Scharecks und des Hohen Sonnblicks im Winter, wobei die Schneeverhältnisse und die Vereisung dieser Gipfel studiert wurden, gelangte Rojacher zu der Überzeugung, dass der Sonnblickgipfel die einzige günstige Lösung biete. Schon allein von der Form des abgeplatteten Kegels bot sich dieser Gipfel an, darüber hinaus war er einer in besonders dominierender Lage.

Finanzielle Probleme
Als Folge der Geländeuntersuchungen durch Rojacher kam es in Zell am See zu einer Sitzung, an der Bezirkshauptmann Eberle und Dr. Martin, der Zeller Bürgermeister, teilnahmen. Rojacher legte seine Pläne vor und Ende 1885 erhielt Hofrat Hann von Dr. Martin einen Brief. Darin heißt es u.a.: "Anliegend übersende ich Euer Hochwohlgeboren eine Zuschrift des Ihnen wohl schon bekannten Bergwerksbesitzers Rojacher, vlg. Kolm-Naz, zur gütigen Einsicht.

Ich habe ein Duplikat desselben dem Central-Ausschuß des Deutsch-Österreichischen Alpenvereins, der sich der Sache wärmstens annehmen wird, eingesendet und ersuche Euer Hochwohlgeboren mir bekannt geben zu wollen, ob die meteorologische Zentral-Anstalt in der Lage wäre, etwas zur Errichtung einer solchen Station zu tun und was? Ich glaube, das Projekt dürfte der Beachtung wert sein.

In dem "Kolm Saigurn, 28. Jänner 1885" datierten ausführlichen Schriftstück Rojachers wurde der Plan der Errichtung einer meteorologischen Station auf dem Hohen Sonnblick ausführlich dargelegt und es wurden auch die Vorteile genannt, welche jener Gipfel für den beabsichtigten Zweck bot. Rojacher sicherte in dem Schreiben seine "energische, mehrseitige Unterstützung bei einer eventuellen günstigen Aufnahme dieses Projektes zu" und ersuchte, dasselbe mit ins Werk setzen zu dürfen.

Wie schon des öfteren in Österreich, so war auch zu dieser Zeit die finanzielle Situation prekär. Die k. u. k. Zentral-Anstalt für Meteorologie und Erdmagnetismus verfügte über keine Mittel, um ein derartiges Unter- nehmen, das den Bau eines Hauses zur Vorbedingung hatte, selbst in Angriff zu nehmen. Hilfe kam vom Deutsch-Österreichischen Alpenverein (DÖAV), dessen Central-Ausschuß sich in Salzburg bereit erklärt hatte, sich an dem Unternehmen zu beteiligen.

Der ewige Verhinderer: das k. u. k. Aerar
Als die Wetterwarte nicht bereits im Sommer 1885 gebaut werden konnte, ist die Schuld des k. u. k. Aerar. Sich in irriger Weise im Besitz des Sonnblickgipfels vermeinend, knüpfte das Aerar eine Reihe von Bedingungen an die Errichtung des Hauses, wodurch der Baubeginn nicht nur verzögert, sondern verhindert wurde. Als dann die Sache endlich aufgeklärt werden konnte, war es wieder einmal zu spät. Des Staates Mühlen mahlen langsam, zu langsam. Als endlich die Bauerlaubnis vorlag, lag auf dem Sonnblickgipfel bereits Schnee, zu viel Schnee. Der Winter 1885/86 hatte seinen Einzug gehalten.

Obermayer machte sich nach wie vor Sorgen. Der DäAV hatte zwar die Kosten für das Holzhaus übernommen, aber es blieb die Sorge um die Beschaffung der Geldmittel zum Aufbau des Anemometerturmes, für die Herstellung der Telefonleitung vom Sonnblick zum Knappenhaus und von Kolm Saigurn nach Rauris, ferner für die nötigen Registrierinstrumente und eine Reihe von Nebenkosten. Der einzige Ausweg: eine Spendensammlung. Prof. Dr. Breitenlohner warb in Fachkreisen mit Vorträgen für die Wetterstation und half emsig mit, die erforderlichen Gelder einzusammeln.

Der Rauriser Rojacher war ein Mann der Tal
Er ließ sich nicht entmutigen und ließ das Holzhaus vorerst in Kolm Saigurn fertig stellen und probeweise aufstellen. Dann begab er sich nach Wien, um die am Sonnblick aufzustellenden Apparate genauer kennenzulernen und sich über die Obliegenheiten einer Station erster Ordnung zu informieren.
Zur Sturheit ärarischer Beamter und der Geldknappheit gesellte sich ein drittes Problem: das schlechte Wetter. Der Juni 1886 gehörte zu den kältesten und niederschlagreichsten Junimonaten seit Dezennien. Aber auch die Juli- und Augustwitterung blieb ungünstig. Eine große Hilfe war der ursprünglich nur für den Erztransport bestimmte Schrägaufzug.

Rojacher hatte die noch aus der Zeit des ärarischen Bergbaues stammende Aufzugsmaschine ausgebaut. 1832 waren bereits das Maschinenhaus und der dahinterliegende Bruchhof errichtet worden, der 1.422 Meter lange "Aufzug" selbst wurde 1833 erbaut, und seit 1834 war die Bahn in Betrieb. Die zu schwach dimensionierten "Reißbäume" machten schon in den ersten Jahren umfangreiche Reparaturarbeiten notwendig. Rojacher ersetzte das Hanfseil durch ein 15 Millimeter dickes Drahtseil und legte ein elektrisches Läutewerk zwischen Kolm (1600 m) und der Bergstation (2177 m) an.

Das Maschinen- oder Radhaus der Bergstation war wie noch heute Ruinen bezeugen aus Steinen aufgemauert und barg die Radstube mit von Gletscherwasser gespeistem Kehrrad, das einen Durchmesser von elfeinhalb Meter hatte und auf einer 1 Meter dicken Welle aufsaß, die ihrerseits die 2 Meter breite Seiltrommel trug. Die Wägelchen der Aufzugsmaschine bestanden aus einem massiven Balkenrahmen mit einem relativ niedrigen, aufgesetzten Kaste, der etwa 800 kg "Pochgang" fasste.

Auch für den Personenverkehr wurde der Aufzug herangezogen. Der hannoversche Eisenbahn-Direktor meinte zwar anlässlich einer Fahrt mit dem nicht gerade vertrauenerweckenden Vehikel, dass der Aufzug keine Lebensversicherungsanstalt sei, aber selbst ängstliche Gemüter vertrauten sich dem seltsamen Gefährt an, und wenn sich wirklich allzu Besorgte scheuten, in ein Wägelchen einzusteigen, dann meinte Rojacher stets in seinem urigen Pinzgauer Dialekt: "So fahr' halt i mit, da wer'n ma mitanander hin.

Zu einer vor Aufregung zitternden Dame setzte Rojacher einmal den Pfarrherrn von Bucheben, der ebenfalls auf den Berg wollte, mit der Bemerkung: "Iazt feit si nix, bald da Poscht- moasta zum Himmel mitfouscht, do wird Eahna der Tuifel do nöt hol'n. " Im Jahre 1888 wurde der Touristentransport mit dem Aufzug behördlich verboten.

Die "chinesische Mauer" am Hohen Goldberg Rauris
Vom Maschinenhaus baute Rojacher einen Steindamm für die sogenannte Bremsbahn, von wo eine nahezu horizontale Schleppbahn, deren Trasse heute ebenfalls noch deutlich zu erkennen ist, zum 2.340 m hoch gelegenen Knappenhaus führte.

Den Transport des gesamten Materials für die Wetterwarte besorgten die Knappen Rojachers im Akkordlohn. Das in Kolm Saigurn wieder de- montierte Holzhaus wurde mit Hilfe des bestehenden Schrägaufzuges von Kolm Saigurn zum Maschinenhaus (unweit des heutigen Schutzhauses Neubau) aufgezogen und dort gestapelt. Ein Teil des Materials wurde vom Maschinenhaus über dem Bremsberg (sogenannte "chinesische Mauer" ) zum Bremshaus und weiter auf der von Rojacher angelegten Werksbahn zum Knappenhaus geführt.

Bei diesem Grubenhaus in 2340 m Höhe übernahmen die Träger die Bauteile und schleppten die Balken über den Gletscher, der damals vom Neuner-Bolfach weit herabkam. Von dort ging es weiter über den Gletscherboden zwischen dem unteren und dem oberen Graupeten Kees. Nun folgte die Querung der Seitenmoräne des Goldberggletschers bis zum Zuflussgletscher des Niederen Sonnblicks. Hier musste ein sehr steiles Schneefeld überstiegen, dann der Ostgrat überschritten und der Gletscher gegen den Bockpalfen überquert werden.

Wie die Knappen das Haus auf den Gipfel schleppten
Nach Obermayer ging eine andere Partie der Träger vom Maschinenhaus zur Zunge des Goldberggletschers, die damals zum Teil aper und sehr steil war, stieg auf derselben an und erreichte auf diesem Weg die Moräne beim Zuflussgletscher vom Niederen Sonnblick. Um auf dem einen oder anderen Weg zum Bockpalten unterhalb der Brettscharte zu kommen, sind zwei bis zweieinhalb Stunden Gehzeit notwendig.

Vom Sonnblickgipfel herab hatte Rojacher einen Aufzug aus einem alten Drahtseil, einer kleinen Seiltrommel und einem Schlitten improvisiert, ein Aufzug, der in der Nähe des Bockpalfens endete. Mit Hilfe dieses primitiven Aufzuges über den völlig verschneiten Südabhang des Gletschers wurde das Material zur Sonnblickspitze gezogen.

Viele Gegenstände aber, wie beispielsweise die Einrichtung der Zimmer, wurden den ganzen Weg, also dreieinhalb Stunden weit, getragen, manche Träger sollen auch den Ostgrat des Sonnblicks zum Aufstieg gewählt haben, der zwar den kürzesten Weg zum Gipfel darstellt, aber eine nicht ungefährliche Klettertour über wild durcheinander liegende, mächtige Steinblöcke ist. " Wegen der auffallenden Zerklüftung, II schreibt Obermayer, "welche der Gletscher im Sommer 1887 zeigte, dachte Rojacher übrigens daran, über den Ostgrat einen Weg zu führen, was allerdings ganz gut möglich wäre... An günstigen Tagen ist es auch vorgekommen, dass Träger zweimal den Weg vom Maschinenhaus zur Sonnblickspitze zurücklegten.
Die mit dem Bau der Wetterwarte beauftragten Knappen und Arbeiter errichteten eine primitive Bauhütte. Elf Knappen musste Rojacher von seinem Bergbaubetrieb abziehen, um den Bau auf dem Sonnblickgipfel realisieren zu können. Schon vor dem 1. September 1886 war das Haus vollendet. Nur der Turm trug noch einen Teil der Gerüste und im Inneren fehlten auch noch einige Dinge, doch das Gebäude konnte bereits bezogen werden.

Die Eröffnung des Observatoriums Hoher Sonnblick
In seinem bereits oben zitierten Aufsatz, der im 1. Jahresbericht des Sonnblick-Vereines für das Jahr 1892 erschienen ist, notierte Obermayer: "Am 1. September abends wurde in Kolm Saigurn für den Eröffnungstag des Hauses, ein Programm vereinbart, welches auch Bestimmungen über den Transport der bereits zahlreich eingetroffenen Festgäste enthielt.
Die Auffahrt mit dem Schrägaufzug von Kolm zum Maschinenhaus begann am 2. September bereits kurz nach Sonnenaufgang. Jeweils zwei Ehrengäste wurden, begleitet von zwei Knappen, in den Erzwägelchen in zwölf Minuten über die 1500 m lange Strecke hochgezogen. Damit waren die ersten 580 Höhenmeter des Anstieges von 1550 auf 3106 m überwunden.

Zehn Minuten dauerte das Herablassen des Wägelchens. So konnten pro Stunde etwa 12 Personen befördert werden. Es waren jedoch so viele Gäste gekommen, dass einige durch den Maschingraben zu Fuß aufsteigen mussten. Gletscherspalten waren auf dem Sonnblick- Südhang keine offen, so dass alle ohne Seil gehen konnten. Auch von der Kärntner Seite kamen Besucher über den Kleinen Fleißgletscher.

Um 12 Uhr Mittag wurde das Haus durch den Salzburger Erzbischof, begleitet vom Rauriser Pfarrer Pimpel, eingeweiht. Bei der Übergabe des Hauses von Vertretern des DäAV an die Meteorologische Gesellschaft wurde die Widmung für rein wissenschaftliche Zwecke zum Ausdruck gebracht. Obermayer dankte namens der Meteorologischen Gesellschaft und stellte die Betreuung und Fürsorge des Hauses Rojacher auch weiterhin anheim. Das Festmahl fand nach 18.00 Uhr in Kolm Saigurn statt.

Idealisten bewahrten Rojachers Erbe
Im Laufe ihrer Geschichte war der Bestand der Wetterwarte mehrmals gefährdet. Ein Jahr nach dem Tod Rojachers (1844 bis 1891) erging der erste Notruf ins Land. In Wien formierte sich der Sonnblick-Verein, dessen idealistische Mitglieder Rojachers Erbe bewahrten. Der Verein hat bis heute seine Pflicht dem Haus gegenüber treu erfüllt. Eine arge Krise trat ein, als eine ausländische Bergbaugesellschaft bei ihrem Abzug anno 1897 alle Anlagen sinnlos zerstörte.

Heute würde man von einer Demolierung industriearchäologisch wertvoller Denkmäler sprechen. Warum die Bergbaugesellschaft einen derartigen Vandalenakt setzte, konnte bis dato nicht geklärt werden, denn durch die Sprengung des Maschinhauses wurde der gesamte Bergbaubesitz erheblich entwertet. Mit dem bei der Abtragung des Schrägaufzuges gewonnenen Holz wurde das Werkhaus in Kolm und das Knappenhaus auf dem Hohen Goldberg beheizt. Von nun an war die Versorgung des Wetterwartes mit Proviant und Brennmaterial überaus schwierig. Träger mussten alle Güter auf ihrem Rücken von Kolm Saigurn aus hochschleppen.

Bald wurde dem Observatorium das Zittelhaus angebaut. Nach seinem Zubau anno 1910 gehörte es zu den schönsten Hütten des DäAV. Dem Alpenverein ist es auch zu danken, dass Zittelhaus und Wetterwarte elektrisches Licht bekamen.

Bedeutende Sonnblick-Beobachter
Der 52-jährige Bergknappe Simon Neumayer war der erste, der es wagte und damit bewies, dass ein Mensch auf der Spitze des Hohen Sonnblicks einen Winter überleben könne. Nach einem fürchterlichen Südsturm vom 7. bis 11. November 1886, der auch das Telefon zerstörte, galt er als tot. In den Zeitungen standen bereits Nachrufe. Auf ihn folgte ein anderer Bergmann, Peter Lechner, der von 1887 bis 1894 Beobachterdienste leistete. Er hatte selbst unter Rojacher bei Bau der Wetterwarte und des Zittelhauses mitgeholfen. Zum Teil aus eigenen Mitteln rettete er das Observatorium nach dem frühen Tode Rojachers über eine kritische Zeit hinweg.

Sein offenes, ehrliches und ungeschminkt raues Wesen erregte in manchen Kreisen, speziell bei Touristen Missfallen. Von 1894 bis 1901 lebte der schwergeprüfte, oftmals ungerecht angefeindete Exbeobachter auf dem Langreithhof im Seidlwinkltal. 1885 wurde er bei einem Raufhandel in Wörth schwer verletzt. Er hat dann das "Langreithgütl" verkauft und ist in das Lechner-Haus beim "Steinkasten-Gütl' (Bucheben Nr. 49) an der Ausmündung des Krumlbaches in die Hüttwinklache gezogen, wo ihn seine Frau Sephi bis zu seinem Tode pflegte.

Beim Lechnerhäusl wurde, bedingt durch Lechners Übersiedlung, ein kleines Wetterbeobachterhäuschen mit den erforderlichen Instrumenten eingerichtet. Lechners letzte Gedanken galten dem Sonnblick. Parallel zur Beobachtungsstation beim Lechnerhäusl wurde die Errichtung einer meteorologischen Station III. Ordnung im Mölltal in Erwägung gezogen. Warum es damals nicht dazu gekommen ist, darüber schweigt die Chronik.

Dem Beobachter Adam Waggerl folgte 1897 Johann Moser aus Heiligenblut, ein bekannter Glocknerführer. Leider starb er bereits am 6. September 1898 im Beobachterzimmer auf dem Sonnblick-Gipfel einen einsamen Tod. Nun wurde Georg Hasenknopf angestellt, gleichzeitig aber auch Alois Sepperer aus Rosenberg bei St. Peter im Mölltal in Kärnten, zunächst einmal allerdings bei Peter Lechner in Bucheben.

Nach einer zweiwöchigen Einschulung im Gipfelobservatorium setzte man Sepperer auf die Warteliste. Erst im Mai 1898 wurde er in die Gipfelwetterwarte berufen. Im Oktober 1899 löste er Hasenknopf ab, wo er bis 1905 arbeitete. Makarius Janschütz wurde 1899 als zweiter Beobachter angestellt. 1899 wurde auch die Rojacherhütte eingeweiht. Die Feier wurde durch ein Unglück überschattet: Georg Zembacher, der Standlwirt aus Wörth, stürzte auf dem Kleinen Sonnblickkees tödlich ab.

Alois und Christian Sepperer, die "Rosenberger" genannt, zeichneten sich "durch ganz besondere Tüchtigkeit bei der Unterstützung wissenschaftlicher Arbeiten" aus. So zumindest formulierte es Josef Bend ! in seinem Buch "Der Sonnblick ruft". Das Protokoll der Generalversammlung des Sonnblick-Vereines vom 23. März 1901 erhärtet diese Aussage: "Die Beobachtungen auf dem Sonnblick sind durch Alois Sepperer und dessen Bruder Christian zur vollsten Zufriedenheit der Zentralanstalt für Meteorologie geführt worden, und dadurch haben die Sonnblickbeobachtungen wieder ein höheres Maß an Verlässlichkeit gewonnen.

Sepperer und Lechner
Die Kündigung des in Meteorologenkreisen hochgeschätzten Alois Sepperer zugunsten des vom Alpenverein favorisierten Josef Külbel fiel den Fachleuten von Sonnblick-Verein und Zentralanstalt schwer. Hofrat Dr. J. M. Perntner schrieb Alois Sepperer anlässlich der Kündigung ein belobigendes Schreiben, in dem er die "ganz außergewöhnliche Zufriedenheit" mit seiner Dienstleistung betont, "Genauigkeit und Verlässlichkeit der Beobachtungen" sowie "Eifer und Dienstfertigkeit gegenüber den Beamten" lobt und seinem Wunsch Ausdruck verleiht, dass er bald Gelegenheit findet, seine Dienste als Beobachter "andererwärts" wieder zu verwenden.

Külbel wurde durch Dr. Valentin sechs Wochen lang eingeschult und in den Dienst eingeführt, kurz danach kündigte der Newcomer. Christian Sepperer überbrückte die Zeit bis zum Arbeitsantritt von Alexander Lechner aus Mayrhofen, der bedingt durch den Abgang Christian Sepperers sich in einer schwierigen Situation befand. Erst als dieser seinen Onkel Johann Lechner nachkommen ließ, gestaltete sich die Lage günstiger.

Im Dezember 1906 kam es zu einer Tragödie am Sonnblick
Am 4. Dezember war Alexander Lechner, vom Sonnblick kommend, auf dem Postamt in Rauris eingetroffen, um eine Kiste mit meteorologischen Beobachtungen abzuschicken. Noch am selben Tag kehrte er nach Kolm zurück und sollte am 5. Dezember in der Wetterwarte eintreffen. Die Köchin Elisabeth Noel ließ sich trotz eindringlichster Warnungen Johann Lechners nicht abhalten, ihrem Chef entgegenzugehen. Heftiges Schneetreiben hinderte Alexander daran, aufzusteigen. Doch auch die Köchin kam nicht mehr zurück. Sie erfror unweit der Rojacherhütte und wurde in Bucheben beerdigt.

Viele gaben ihr Leben für den Sonnblick
Er war ein schlichter Rauriser Zimmermann, arbeitete als Knappe unter Rojacher und machte in den Jahren 1908 bis 1916, sowie 1918/19 und 1922/23 Dienst als Wetterwart: Matthias Mayacher. Er rettete das Observatorium über die harten Jahre des Ersten Weltkriegs hinüber, musste aber im September 1919 aufgeben, weil die Gemeinde Rauris zu arm war, ihn verpflegen zu können. Der Heiligenbluter Matthias Brandstätter und dessen Bruder folgten ihm im Dienst. Mayacher starb 1925. Von 1923 bis 1933 versahen Leonhard und Marianne Winkler den schweren Dienst.

Erwähnenswert ist die Übergabe des Sonnblick-Observatoriums der österreichischen meteorologischen Gesellschaft an den Sonnblick-Verein, der durch die deutsche Kaiser-Wilhelm-Gesellschaft der Wissenschaften in Berlin von 1926 an eine nennenswerte finanzielle Unterstützung für den weiteren Betrieb des Höhenobservatoriums erhielt. Am 21. März 1928 kostete ein Lawinenunglück dreizehn jungen Schifahrern das Leben. Ende der Zwanzigerjahre wurde das von Oberingenieur Tritschel ausgearbeitete Sonnblick-Seilbahnprojekt diskutiert, aber leider nicht realisiert.

Im November 1933 verletzte sich Leonhard Winkler schwer und starb. Von ihrem Bruder Hans Mühlthaler unterstützt, führte die Witwe den Dienst noch mehrere Monate weiter. Dann löste Louise Mühlthaler ihre Schwägerin ab. Hans Mühlthaler kündigte 1939. Während des Zweiten Weltkrieges versahen Ferdinand Mayr und Friedl Fleissner vlg. Ging gemeinsam mit dem Ehepaar Georg und Maria Rupitsch Dienst auf der Wetterwarte. Schon im September 1942 hatte die Luftwaffe die Betreuung des Observatoriums Übernommen.

Friedl Fleissner, Bergführer aus Heiligenblut, wurde von der Front zurückbeordert und auf den Sonnblick abkommandiert. Als das Ehepaar Rupitsch verunglückte, unternahm er unter Lebensgefahr einen vergeblichen Rettungsversuch. Georg und Maria Rupitsch ereilte am 9. November 1944 der weiße Tod, sie wurden in Heiligenblut beerdigt. Wie das kam, schildert Friedl Fleissner jun., der Sohn des damaligen gleichnamigen Beobachters: "Es war Allerheiligen 1944. Maria Rupitsch fuhr mit den Schiern nach Kolm Saigurn ab, um Erledigungen zu tätigen.

Das Wetter war am nächsten Tag noch einigermaßen, so stieg sie gegen Mittag in Richtung Sonnblick auf. Zuvor verständigte sie ihren Mann Georg per Funk, dass sie unterwegs ist. Georg befahl ihr rasch zu gehen, er wollte ihr entgegenkommen, es stand ein Wetterumsturz bevor. Gegen 16.00 Uhr fuhr er ihr entgegen, das Wetter hatte sich zu dieser Zeit bereits sehr verschlechtert, es fing an zu schneien und ein starker Sturm kam auf. Da das Ehepaar bis 19.00 Uhr nicht ankam, machte sich Friedl Fleissner auf die Suche, kam aber nur bis ca. 200 m unterhalb der Wetterwarte.

Er hing noch eine starke Lampe auf den Turm, um sicher zu sein, wieder zurückzufinden. Er musste die Suche abbrechen, da er kein Licht mehr sah, es gab einen Temperatursturz von 20 Grad mit orkanartigem Sturm und hatte Selbst Schwierigkeiten, wieder zur Wetterstation zurückzufinden. So nahm das Schicksal seinen Lauf. Friedl Fleissner hoffte, dass das Ehepaar Rupitsch in der Rojacherhütte untergekommen war oder Richtung Kolm-Saigurn umgekehrt sei.

Als am nächsten Tag kein Lebenszeichen kam, verständigte Fleissner die Bergrettungsstelle Heiligenblut. Die Bergführer Valentin Unterkircher, Josef Lackner, Ernst Keller und Josef Kellner begaben sich am 2. Tag auf die Suche und fanden beide zwischen Tramerkopf und Brettscharte auf Salzburger Seite, ca. 50 m von- einander entfernt, sie waren erfroren.

Da Maria ihren Hund immer mit hatte, konnte man feststellen, dass sich die beiden getroffen hatten. Der Hund wurde, an den Rucksack von Georg angebunden, aufgefunden. Die beiden Toten wurden nach Heiligenblut gebracht, im sogenannten, Festenhäusl', das ihnen gehörte, aufgebahrt und am Ortsfriedhof beigesetzt.

Der Sonnblick ruft!
Die schwierigste Zeit für das Observatorium kam mit Kriegsende, denn der Sonnblickverein stand ohne Barmittel da und war jedweder Geldquellen beraubt. Hier muss Dr. H. Mesal, ehemaliger Oberregierungsrat im einstigen Reichswetterdienst, genannt werden, der die Vertreter der amerikanischen Besatzungsmacht für die Weiterführung der Warte motivierte.

Mit einem Seilbahnbau wurde im Herbst 1946 begonnen, konnte aber erst im darauffolgenden Jahr in Betrieb genommen werden. Im strengen Winter 1946/47 mussten die Beobachter aus der Luft versorgt werden. Die Amerikaner warfen Kohle und Kartoffel ab, wobei manche Säcke platzten und die Kohlestückchen weit über den Gletscher verstreut wurden.

Die 1947 fertiggestellte Notseilbahn von Kolm zum Gipfel brach im August 1949 zusammen. Das Ende des Observatoriums schien nahe zu sein. Allein die Trägerkosten erreichten 1950 60.000 Schilling. Der vom Sonnblick-Verein ausgesandte Notruf verhallte nahezu ungehört. Erst in letzter Stunde sprangen die Schulkinder rettend ein und nur dadurch wurde der Weiterbestand des Observatoriums endgültig gesichert.

Auf Initiative des Fachlehrers Edmund Bendl wurde eine erfolgreiche Sammelaktion unter den Wiener Schulkindern eingeleitet, die letztlich vermehrt um Spenden Privater mit staatlicher Hilfe dazu führte, dass in der Folge die wichtige Materialseilbahn gebaut werden konnte.

Am 22. Oktober 1949 heiratete der Sonnblick-Wetterwart Hermann Rubisoier die Preimistochter Genovefa Granögger aus Heiligenblut, die damit zweiter Wetterwart wurde. Im Sommer 1954 wurde das Ehepaar Rubisoier auf eigenen Wunsch in die Wetterdienststelle Salzburg versetzt. Als neue Beobachter kamen Josef Bernhard aus Döllach und Johann Edthofer aus Mattighofen.

Im Internationalen Geophysikalischen Jahr 1957/58 wurde ein StrahIungsmessturm erbaut
1961 feierte man das 75-jährige Bestehen der Wetterwarte im Markt Rauris mit einem historischen Umzug. Dort fand auch eine meteorologische Tagung statt, anschließend begab sich die Festgesellschaft nach einer Nächtigung in Kolm Saigurn zu Fuß hinauf auf den Sonnblickgipfel. Zur 90-Jahrfeier anno 1976 wiederholte sich das Umzugs-Spektakel, das auch im Film " Tauerngold" dokumentiert wurde.

Nach umfangreichen Planungsarbeiten begannen 1981 die Arbeiten am Neubau des Observatoriums. Ohne massiven Hubschraubereinsatz wäre der Bau nicht zu realisieren gewesen. Zur Hundertjahrfeier wurde nach mehrjähriger Bauzeit das neue, modernst ausgestattete Observatorium auf dem Sonnblick eröffnet. Aus Anlass dieses runden Jubiläums wurde auch eine Ausstellung arrangiert, die in Wien, Salzburg und Rauris zu sehen.

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