Montag, 15. Mai 2017

Basisdaten zum Nationalpark Hohe Tauern


Basisdaten zum Nationalpark Hohe Tauern
(Gesamt, Kärnten, Salzburg, Tirol)
Größe des Nationalpark Hohe Tauern


Kernzone
Salzburg: 538 km²
Kärnten:  327 km²
Tirol:       347 km²

Außenzone
Salzburg:  267 km²
Kärnten:   113 km²
Tirol:         264 km²





Gesamt                                    Alle Länder:
Salzburg:   805 km²                  Kernzone:          1.212 km²
Kärnten:   440 km²                   Außenzone:          644 km² 
Tirol:        611 km²                   Gesamtfläche:    1.856 km²



Mit 1.856 km² größtes Schutzgebiet in den europäischen Alpen: Die größte noch weitgehend unberührte, geschützte Naturlandschaft im Alpenraum im Herzen Europas in Verbindung mit einer landschaftsästhetisch herausragenden Kulturlandschaft. 

Der NPHT umfasst, in einer West-Ost-Erstreckung von über 100 km und in einer Nord-Süd-Erstreckung von 40 km, Höhenlagen zwischen 1000 m in den Tälern und 3798 m am Gipfel des Großglockners, dem höchsten Berg Österreichs und der Ostalpen.


Repräsentativer Ausschnitt der Ostalpen mit 266 Berggipfel über 3.000 Metern darunter Großvenediger, Hoher Sonnblick und Ankogel.

Herausragende Vielfalt an Tier- und Pflanzengemeinschaften, Hohe Biodiversität, viele Endemiten. Die speziellen klimatischen, geologischen, hydrologischen und topografischen Verhältnisse machen den Nationalpark zu einer der abwechslungsreichsten Landschaften und sie bedingen die hohe Vielfalt an Ökosystemen mit ihren speziellen Lebensgemeinschaften.

Die Tier- und Pflanzenwelt des Nationalparks Hohe Tauern ist repräsentativ für alle Höhenstufen der Alpen und zeichnet sich durch eine herausragende Vielfalt an Arten und Lebensgemeinschaften aus. Der Pool der für die Alpen insgesamt charakteristischen Arten ist im Nationalpark Hohe Tauern als komplett zu bezeichnen und in der Regel mit sehr vitalen Populationen vertreten.

Mehr als ein Drittel aller in Österreich nachgewiesenen Pflanzenarten kommt im Nationalpark Hohe Tauern vor, bei den Säugetieren, Vögeln, Reptilien und Amphibien sind es ca. 50%.

Untersuchungen von Schmetterlingen auf der Südseite der Hohen Tauern zeigen, dass in sonnseitigen Bergwiesen schon auf kleinem Raum Artendichten vorkommen, die einen Vergleich mit dem Reichtum von Korallenriffen nicht scheuen müssen. So fanden sich etwa an der Flanke eines Hochtales in Bergwiesen 500-700 Schmetterlingsarten.

Einige Artenzahlen im NPHT im Vergleich zur Fauna und Flora von Österreich/Europa:


NPHT gesamt Salzburg Österreich M-Europa Europa
Hummeln Apidae 31 38 45
63
Libellen Odonata 32 60 81

Käfer Coleoptera 1900 3550 7500 9000
Schmetterlinge Lepidoptera >1200 2000 4000
8000
Heuschrecken Saltatoria 41
136

Fische Pisces 9
55

Amphibien Amphibia 11
21
64
Reptilien Reptilia 8
16

Vögel gesamt Aves
319 417 517
Vögel (nur Brutvögel) Aves 114 183 239
> 350
Säugetiere Mammalia 52
110
209
Pilze
4000
8000

Gefäßpflanzen
< 1300 1800 2950
11500


Flechten Moose Gefäßpflanzen
Salzburg ca. 1000 ca. 650 ca. 1200
Kärnten ca. 900 ca. 550 ca. 1200
Gesamt (K u. Sbg.) ca. 1150 ca. 750


Signifikante Populationen (z. B. gefährdete Arten)

Rückzugsgebiet für gefährdete Arten
Die Größe des Schutzgebietes ist von besonderer Bedeutung insbesondere auch für Tierarten die große Areale benötigen wie Steinadler (50 km²), Bartgeier (200-400 km²), Schneehase (100 ha Streifgebiet), Steinwild und Luchs.

Steinadler – Steinwild – Bartgeier
Der Nationalpark bietet heute jenen Tierarten wieder einen gesicherten Lebensraum, die durch eine Ausrottungswelle u.a. gegen Beutegreifer zu Beginn des 19. Jahrhunderts in fast ganz Europa ausgerottet worden sind. Dazu zählt der Steinadler Aquila chrysaetos, dessen Bestand, wie das Monitoringprojekt zeigt, heute mit ca. 40 Brutpaaren im NPHT gesichert ist.

Beispiele für beinahe verschwundene Arten, die heute, zum Teil durch Wiedereinbürgerungen im Nationalpark wieder weit verbreitet sind, sind der Alpensteinbock Capra ibex und das Murmeltier Marmota marmota. Vom Steinwild gibt es heute wieder ca. 900 Stück im NPHT (ca. 300 im Kärntner Anteil).

Das Murmeltier ist wieder flächendeckend verbreitet mit Dichten von 40-350 Individuen/km². Auch der ausgerottete Bartgeier Gypaetus barbatus, der seit 1986 durch ein internationales Projekt wieder angesiedelt wird, ist heute wieder regelmäßig zu beobachten und es kam bereits zu ersten Brutversuchen.


Lebensraum seltener und international geschützter Wirbeltierarten Mehr als die Hälfte der rund 180 im Bereich des Nationalparks Hohe Tauern vorkommenden Wirbeltierarten sind nach internationalen Konventionen streng geschützt (Anhang II der Flora-Fauna-Habitat-Richtlinie der EU, Anhang I der Vogelschutzrichtlinie der EU, Anhang II der Berner Konvention), 46 Wirbeltierarten, also rund ein Viertel des Artenbestandes, finden sich auf der Roten Liste der gefährdeten Tiere Österreichs, acht Arten werden laut der IUCN Liste der gefährdeten Tierarten als gefährdet (verschiedene Kategorien) eingestuft.

Weißkopf- oder Gänsegeier 
Eine alpenweit einzigartige Besonderheit der Hohen Tauern stellen die etwa 40-50 Gänsegeier (Gyps fulvus) dar, die alljährlich als nichtbrütende Übersommerer aus den letzten Brutgebieten Kroatiens in den Nationalpark kommen und hier die Zeit zwischen Frühling und Herbst verbringen.

Die bekanntesten Schlafplätze dieser Aasfresser liegen im Rauriser- und Hollersbachtal.

Endemiten
Unter den im NPHT vorkommenden Arten gibt es viele Endemiten, die nur in den Ostalpen, den Alpen oder in europäischen Gebirgen vorkommen:


Säugetiere: alpine Endemiten bzw. Endemiten der europäischen Gebirge sind: Alpenspitzmaus Sorex alpinus, Alpen-Waldmaus Apodemus alpicola, Schneemaus Chionomys nivalis, Alpen-Murmeltier Marmota marmota, Gämse Rupicapra rupicapra und Alpen-Steinbock Capra ibex und Alpen-Schneehase Lepus timidus varronis.

Amphibien: Alpensalamander Salamandra atra: Endemit der Alpen und Dinariden. In den Hohen Tauern häufig und verbreitet.


Endemismus ist bei den Wirbellosen naturgemäß häufiger und regionaler ausgeprägt als bei Wirbeltieren. Artbildungsprozesse im Zuge der Eiszeiten durch Isolation und Überdauerung auf sog. Nunatakkern spielen eine wichtige Rolle.

Beispiele:
Pseudoskorpione: Neobisium noricum Endemit der Hohen Tauern
Weberknechte: Nemastoma triste, Paranemastoma bicuspidatum, Ischyropsalis kollari: Endemiten der Ostalpen
Käfer: Amaria alpicola, Chrysolina latecincta, Phyllotreta ziegleri: Endemiten der
Ostalpen
Schmetterlinge: Weißpunktierter Mohrenfalter Erebia claudina (RLÖ 4) : Österreichischer Endemit, am Rande des östlichen Teils des NP Hohe Tauern vorkommend. Crocota niveata, Cauchas chrysopterella, Coleophora derasofasciella: Endemiten der Ostalpen


Erhaltung bzw. Schaffung von Lebensräumen
Natur und Kultur Enge Verzahnung von ungestörter Natur (Kernzone) mit nachhaltig und traditionell genutzter und gepflegter Kulturlandschaft (Außenzone), insbesondere der Almen und Bergmähder. 

In Jahrhunderte langer bergbäuerlicher Arbeit entwickelte sich hier eine spezifische, artenreiche Kulturlandschaft mit traditionellen Bauformen (Almhütten, Holzzäunen, Lesesteinmauern) und angepassten Haustierrassen (Pinzgauer Rind, Noriker, gamsfärbige Pinzgauer Ziege, Tauernscheckenziege) Viele Schmetterlinge sind von extensiven Bewirtschaftungsmethoden stark abhängig (extensive Almweide, extensive Nutzung von Bergmähdern).

In diesen blumenreichen offenen Lebensräumen finden sie als wärmebedürftige Tierarten die für ihre Entwicklung geeigneten mikroklimatischen Bedingungen und eine große Vielfalt an Nährpflanzen für ihre Raupen sowie Nektarquellen für die Imagines vor. Bei extensiver Bewirtschaftung (größere Abstände zwischen den Mahdzeitpunkten) haben die Raupen auch meistens genug Zeit, um ihre Entwicklung zu vollziehen. 

Ohne traditionelle extensive Bewirtschaftung kommt es zum Zuwachsen insbesondere der mittleren Hanglagen, wo ein Großteil der Schmetterlingsarten vorkommt, was zu einem drastischen Rückgang der entsprechenden Bestände führt.

Intakte Populationen, Lebensräume
Raum für ungestörte Evolution – landschaftsformende Dynamik Durch die Größe und Ungestörtheit des Gebiets wird ein repräsentativer Ausschnitt der Alpenflora und –fauna geschützt und dadurch sind bei diesem alpinen Genpool ökologisch/evolutive Prozesse möglich, die langfristig das Überleben und die Weiterentwicklung alpiner Arten sichern.

Die Größe des Gebiets lässt dynamische, landschaftsformende Prozesse wie Lawinen, Bergstürze, Gletscherstürze und die damit verbundenen Sukzessionsprozesse zu. Im Tiroler Anteil gibt es insgesamt 65 Vegetationsgesellschaften mit zahlreichen Untergesellschaften und Assoziationen.

Für Wirbeltiere und Wirbellose gilt, dass im Nationalpark die charakteristischen Arten noch durchwegs in vitalen Populationen vorliegen. Arten, die anderswo bereits als hochgradig gefährdet gelten, finden hier oft noch entsprechende Habitate und sind noch zahlreich vorhanden.

Dies trifft zum Beispiel bei den Libellen auf die Alpen-Mosaikjungfer Aeshna caerulea zu. Der NP Hohe Tauern trägt auch eine große Verantwortung für die Erhaltung zahlreicher Schmetterlingsarten. 

Dabei handelt es sich meist nicht um ausschließlich alpine Arten, die zumeist noch wenig gefährdet sind, sondern um Arten, die ursprünglich viel weiter verbreitet waren, in außeralpinen Teilen Europas heute jedoch stark gefährdet sind. Im NP Hohe Tauern finden sie lokal noch geeignete Bedingungen und bilden dort z. T. größere Populationen.

Beispiele dafür sind die folgenden „plakativen“ Arten:
Hochmoorgelbling Colias palaeno (RLÖ 3) und Hochmoor-Bläuling Plebeius optilete (RLÖ 3): In Hochmooren des Voralpenlandes stark gefährdet bis ausgestorben, in Zwergstrauchheiden der Zentralalpen noch gut vertreten.
Thymian-Ameisen-Bläuling Maculinea arion (RLÖ 4, FFH IV): Im Voralpenland stark gefährdet bis ausgestorben, in extensiv bewirtschafteten Almweiden und Bergmähdern der Zentralalpen noch gut vertreten.

Skabiosen-Scheckenfalter Euphydryas aurinia (RLÖ 4, FFH II): Im Voralpenland stark gefährdet bis ausgestorben, in extensiv bewirtschafteten Almweiden, Bergmähdern und alpine Rasen der Zentralalpen (Unterart debilis) noch gut vertreten.

Schwarzer Apollo Parnassius mnemosyne (RLÖ 3, FFH IV): Im Voralpenland stark gefährdet bis ausgestorben, in eher frischen, extensiv bewirtschafteten Almweiden und offen gehaltenen Hochstaudenfluren (z. B. durch regelmäßige Lawinenaktivität) der Zentralalpen lokal vertreten.

Apollo Parnassius apollo (RLÖ 4, FFH IV): Im Voralpenland stark gefährdet bis ausgestorben, in eher trockenen, extensiv bewirtschafteten Almweiden, Bergmähdern und „Lawinarrasen“ auf kalkreichem Untergrund der Zentralalpen noch gut vertreten.


Anzahl Pressemeldungen
Zahlreich: TV, Radio, Kooperation mit ORF-Radio Salzburg, Kooperation mit Radio Osttirol, Online-Medien, Internetauftritt unter www.hohetauern.at, Printmedien, hauseigenes Magazin "Tauernblicke" drei mal jährlich mit Sonderausgaben zu bestimmten Anlässen, Kulturmagazin "Tauriska"

Bekanntheitsgrad (Resultate von getätigten Umfragen):
Meinungsumfrage 2002: der Nationalpark Hohe Tauern ist der bekannteste Nationalpark in Österreich. Spontan konnten 63 % der Österreicher und Österreicherinnen den Nationalpark Hohe Tauern nennen; an zweiter Stelle folgen mit jeweils 18 % der Nationalpark Donauauen und der Nationalpark Neusiedlersee.

Ökonomische Effekte
Nach einer Studie des Wirtschaftsforschungsinstitutes 1998 für die Nationalparkregion in Salzburg ist der ausgelöste Gesamteffekt der NP-Ausgaben doppelt so hoch wie die ursprünglichen. Der Multiplikator beträgt 1,94, im Vergleich jener beim Straßenbau u. Baubranche nur 1,51. Besonders stark profitieren das Bauwesen, Dienstleistungen, Forschung und Entwicklung.

Durch das Engagement des Nationalparks eröffnet sich der Zugang zu neuen Förderungsmöglichkeiten für die NP-Region wie z.B. Leader +, Life, Interreg. Für den Tiroler Anteil ergab eine Studie aus dem Jahr 2003 eine direkte regionaleBruttowertschöpfung von rd. 2,65 Mio. EURO und eine indirekte Wertschöpfung von 1,38 Mio. EURO.

  1. Kilometer Wanderwege, Lehrpfade
  2. Infozentren und andere Einrichtungen zur Besucherbetreuung


Wanderwege (km) Lehrpfade/Lehrwege
Salzburg 2.080 29
Kärnten 878 17
Tirol 450 16

Kärnten: 1 Nationalparkhaus (Großkirchheim), 4 Infostellen (Wilhelm-Swarovski-Beobachtungswarte, Nationalpark-Informationen Heiligenblut und Malta, BIOS Mallnitz) Salzburg: 1 Nationalparkzentrum Mittersill, Nationalpark-Werkstatt in Hollersbach, Hochalpine Forschungsstation Wilfried Haslauer-Haus, 10 Infostellen Tirol: 1 Nationalparkhaus, 4 Infostellen, 2 Häuser der Kultur und Begegnung


Besucher Zufriedenheit
Zahlreiche Besucherbefragungen ergaben ein besonders erfreuliches Bild mit einer sehr hohen Zufriedenheit. Nach einer Gallup-Umfrage im Jahr 2003 wurden Qualität und Erlebniswert der angebotenen Programme auf der Schulnotenskala von 1 – 5 mit durchschnittlich 1,4 beurteilt.

Größe des Wasser-Einzugsbereiches
Park der stürzenden Wasser und Seen – „Wasser Nationalpark“ Die Landschaft wird von Wasser in Form von Gletschern, Gletscherbächen, Wasserfällen oder Gebirgsseen geprägt. Der Nationalpark umfasst 279 Bäche, davon 57 Gletscherbäche, 26 bedeutende Wasserfälle (die weltberühmten Krimmler Wasserfälle stürzen in drei Stufen über 400 m in die Tiefe), 10 Klammen.
Im Nationalpark Hohe Tauern gibt es 551 Seen mit einer Größe zwischen 27,03 ha und 35 m² Meter (Amtliche Karte 1:50.000 und Orthophotos Befliegung 2003). Davon sind 131 mit einem (amtlichen) Namen versehen.


Seen in der Kernzone Seen in der Außenzone Gesamt
Salzburg 140 60 200
Kärnten 123 15 138
Tirol 122 91 213
Gesamt 385 166 551

  1. Größter See: Kratzenbergsee im Hollersbachtal mit 27 ha
  2. Tiefster See: Schwarzsee, Lungau mit 56,8 m
  3. Höchstgelegener Seen: Eissee im Stubachtal am Hochfürlegg in 2943 m
  4. Periodische Seen: Schödersee, 1450 m im Großarltal
  5. Sandersee: im Vorfeld der Pasterze mit weitverzweigtem Rinnensystem und Deltabildung.

Rezente Gletscher Etwa 130 km² des NPHT sind derzeit vergletschert. Die 342 Gletscher sind mit allen Gletschertypen vertreten und allgegenwärtige, visuell herausragende Landschaftselemente. Der tiefstherabreichende Gletscher ist das Boggeneikees, der vom Teufelsmühlkees gespeist wird. Er reicht bis auf 1750 m herab. Eine Besonderheit sind die 126 Blockgletscher, davon 67 aktive in der Schobergruppe, eine auffallende Erscheinung des alpinen Permafrostes. Auch heute kann die landschaftsformende Wirkung der Gletscher beobachtet werden.

Größter Gletscher der Ostalpen Die Pasterze ist mit ihrer einer Länge von 7,5 km und einer Fläche von 18,5 km² (Zahlen 2002) der größte Gletscher der Ostalpen.

Sie ist ein herausragendes Beispiel für einen alpinen Talgletscher in dessen Umgebung eiszeitliche Landschaftsformen und alle biologischen Sukzessionsstufen der Wiederbesiedelung des Gletschervorfeldes zu beobachten sind. Von besonderer Bedeutung ist die riesige, in ihrem Vorfeld durch Frostverwitterung und Kalklösung aus Kalkglimmerschiefern entstandene periglaziale Sanderfläche.

sonstige relevante Informationen
Tauernfenster Dieses einzigartige tektonische Fenster, gibt Einblick in das tiefste tektonische Stockwerk der Alpen, das Penninikum, und ist in seiner Größe und Form einmalig auf der Welt. Die Entdeckung des Tauernfensters 1903 war der Schlüssel für das Verständnis des geologischen Baus der Ostalpen.


Großer Mineralienreichtum – abwechslungsreiche Gesteine Bisher wurden im Bereich der Hohen Tauern mehr als 200 Mineralien nachgewiesen. Besonders bedeutsam für die Entstehung verschiedener Mineralien sind die zahlreichen „Alpinen Klüfte“, sog. Zerrklüfte die im Zuge der Hebung in der Spätphase der Gebirgsbildung vor 20 bis 5 Millionen Jahren entstanden sind. Spektakuläre und international bedeutende Stufen, z.B. die bekannten Riesenbergkristalle im Haus der Natur! Tauerngold: zu den alpinen Klüften zählen auch die „Goldquarzgänge“, die v.a. im Bereich der Sonnblick- und Goldberggruppe auftreten. Auch die Gesteine sind durch einen Wechsel von Silikat- und basischen Gesteinen sehr abwechslungsreich. Der Prasinit des Großglockners z.B. ist aus einem Basalt des Ozeanbodens entstanden.


Vollständiges Inventar glazialer Landschaftsformen Das Relief der Hohen Tauern wurde während der Eiszeit von riesigen Gletschern geformt und geprägt, deren Spuren allgegenwärtig sind: Kare, Karseen, Karlinge, Rundhöcker, Gletscherschliffe, Trogtäler und Hängetäler. Infolge des geringeren Niveaus gegenüber den Westalpen kam es zu mehrmaliger Ver- und Entgletscherung und damit verbunden durch stärkere Erosion zu ausgeprägterer Formenbildung.


Historischer Rückblick - Entstehung
Schon seit Beginn unseres Jahrhunderts hat es Bemühungen gegeben, in den Hohen Tauern einen Nationalpark zu schaffen. Bereits 1909 und 1910 wurde erstmals von mehreren Naturschutzorganisationen die Errichtung eines „Naturschutzparkes“ im Alpenraum gefordert. Kurz darauf wurde in Stuttgart der „Verein Naturschutzpark“ mit dem Ziel gebildet, großflächige Naturlandschaften zu einem Nationalpark zu erklären.


War es dem „Verein Naturschutzpark“ vorbehalten, Flächen auf der Salzburger Tauernseite zu erwerben, so gelang es dem Oesterreichischen Alpenverein, im Jahre 1918 etwa 4.000 ha Grundflächen im kärntnerischen Glocknergebiet und rund 20 Jahre später 28.000 ha auf Tiroler Seite des Glockner- und Venedigergebietes zu erwerben. Bereits 1939 wurde in Lienz und in Spittal ein Entwurf für die Errichtung eines „Naturschutzgebietes Nationalpark Hohe Tauern“ ausgearbeitet und aufgelegt.

Ende der 50er Jahre und in den 60er Jahren verstärkten sich die Initiativen zur Schaffung des Nationalparkes Hohe Tauern und fanden auf breiter Basis statt.
Im Naturschutzjahr 1970 wurden erstmals gemeinsame Schritte zur Errichtung des Nationalparkes Hohe Tauern durch die Bundesländer Kärnten, Salzburg und Tirol eingeleitet. Diese Bemühungen gipfelten schließlich in der Vereinbarung von Heiligenblut vom 21. Oktober 1971.

Durch die sogenannte „Heiligenbluter Vereinbarung“ war die Errichtung eines Nationalparkes in den Hohen Tauern nicht bloß mehr eine Wunschvorstellung verschiedener privater Organisationen und einzelner Verwaltungsorgane, sondern hob sich damit auch zu einer offiziellen politischen Zielvorgabe.
Während sich die Länder Kärnten und Salzburg bedingungslos zur Einrichtung des Nationalparkes Hohe Tauern bekannt haben, machte das Bundesland Tirol dies von einer gleichzeitigen Installierung eines regionalen Entwicklungsprogrammes abhängig. Weiters durfte aus Tiroler Sicht die Wasserkraftnutzung für energiewirtschaftliche Zwecke und insbesondere der Ausbau des Projektes „Dorfertal“ nicht behindert werden.

Diese Vorbehalte waren Ausdruck großer Bedenken der berührten Osttiroler Gemeinden und der jeweiligen Tourismusverbände gegen die Schaffung eines Nationalparkes Hohe Tauern.

Energiewirtschaftliche Interessen, geplante schitouristische Erschließungsmaßnahmen und der Widerstand einzelner Gemeinden und Grundbesitzer verhinderten so lange Zeit die Verwirklichung eines großen, weit in die Zukunft weisenden raumpolitischen Vorhabens.

Durch intensive Aufklärungsarbeit über zwei Jahrzehnte hinweg und unter Berücksichtigung der Wünsche der örtlichen Bevölkerung konnte allmählich eine positive Stimmung für den Nationalpark Hohe Tauern erreicht werden.
Während Kärnten 1981 und Salzburg 1983 Teilgebiete zum Nationalpark erklärten, war in Tirol der Widerstreit zwischen Großkraftwerk und Nationalpark, also zwischen Ökonomie und Ökologie, noch voll im Gange.

Erst als 1987 die Bewohner der vom Kraftwerksprojekt Dorfertal hauptbetroffenen Gemeinde Kals am Großglockner, hier insbesondere die Kalser Frauen, gegen die Pläne der Energiewirtschaft votierten, nahm die über mehrere Jahrzehnte andauernde Diskussion „Nationalpark oder Kraftwerk“ eine zugunsten des Nationalparkes glückliche Wende. Die maßgebliche Meinungsbildung der Frauen soll sogar unter anderen Landeshauptmann Eduard Wallnöfer zum Ausspruch „Mit den Weiberleuten möchte ich mich nicht anlegen“ verleitet haben.

Durch die Erklärung von Wirtschaftsminister Robert Graf vom 30. März 1989, wonach seitens des Bundes an der Verwirklichung des Kraftwerkbaues „Dorfertal“ nicht mehr festgehalten werde, hat das Land Tirol auf diese geänderte Situation rasch reagiert und die Weichen für den Nationalparkanteil Tirol gestellt.

So beauftragte der Tiroler Landtag in seiner Sitzung vom 5. Juli 1989 die Landesregierung, ein entsprechendes Nationalparkgesetz auszuarbeiten und dem Landtag zur Beschlußfassung vorzulegen. Gleichzeitig erging auch der Auftrag des Tiroler Landtages an die Landesregierung, ein „Regionales Entwicklungsprogramm“ für die vom Nationalpark berührten Gemeinden auszuarbeiten.
Mit dieser Entschließung war der Weg frei für die Errichtung eines dreiländerüberschreitenden Nationalparkes Hohe Tauern.

Die Schaffung von Gesetzen spiegelt auch die Kultur eines Volkes wider. Basisdemokratie ist ein besonders wertvolles Zeichen für Konfliktfähigkeit, Toleranz und gegenseitige Achtung. So kann man mit Fug und Recht behaupten, dass die Gesetzeswerdung für den Nationalpark Hohe Tauern von einer äußerst basisdemokratischen Vorgangsweise geprägt war.

In Diese praktizierte Basisdemokratie spiegelt auch eine gewisse Grundeinstellung zur Schaffung von Schutzgebieten wider. Denn dem Nationalpark Hohe Tauern ist langfristig nur ein Fortbestand gesichert, wenn dieser auch von der Bevölkerung vor Ort „mitgetragen“ wird und dadurch volle Akzeptanz genießt.

Am 9. Oktober 1991 wurde, getragen von einer breiten politischen Basis, das Tiroler Nationalparkgesetz Hohe Tauern durch den Landtag beschlossen und trat mit 1. Jänner 1992 in Kraft.

Zwanzig Jahre nach der Unterzeichnung der „Heiligenbluter Vereinbarung“ ist eine Idee Wirklichkeit geworden. Die Länder Kärnten, Salzburg und Tirol haben in den Hohen Tauern somit den größten Nationalpark Mitteleuropas geschaffen.









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