Montag, 19. Mai 2014

Erfolge und Rückschläge bei den Bartgeiern

Erfolge und Rückschläge bei den Bartgeiern in den Hohen Tauern

In Österreich gibt es mittlerweile einen stabilen Bestand von Bartgeiern. Im gesamten Alpenbogen wächst die Population. Bei uns gibt es zwar Nachwuchs, aber auch immer wieder Verluste bei den faszinierenden Greifvögeln.


Freifliegender Bartgeier im Raurisertal
Eigentlich sind es gute Nachrich­ten. Mitte Jänner haben in Rau­ris und am Katschberg zwei Bart­geierpaare mit der Brut begonnen. Geht alles gut, könnten die Jungvögel im Som­mer flügge werde.

Ein drittes Paar, das sich im Seebachtal einen Horst gebaut und im Herbst intensiv gebalzt hatte, brach aller­dings auseinander.

„Es war ein sehr harmonisches Paar, die beiden hätten heuer sicher gebrütet“, glaubt Bartgeierexperte Michael Knollseisen. 





Anfang Jänner aber verschwand das Männchen spurlos. „Es alpenweiten Wiederansiedlung der Bartgeier mitarbeiten, ständig von neuen Paar­bildungen und ansteigenden Zahlen von Jungvögeln berichtet werden kann, hinkt Österreich etwas hinterher. Im Alpenbogen kann man derzeit von 160 Bartgeiern ausge­hen, vor zehn Jahren waren es erst 125 Tiere.

In Österreich jedoch gibt es nach wie vor nur zehn bis zwölf wirklich stationäre, also terri­toriale Altvögel – und das seit vielen Jahren. Der Bestand ist zwar stabil, aber nicht wachsend. Und das trotz regelmäßiger Frei­lassungen – heuer übrigens wieder zwei Jungtiere  in Osttirol – und mittlerweile drei dürfte durch eine Bleivergiftung verendet sein“, vermutet der Biologe. 

DREI VÖGEL MIT BLEIVERGIFTUNG 
Es dauert oft Jahre bis sich – wenn überhaupt ein „verwitweter“ Bartgeier wieder mit einem neuen Partner zusammentut. Beispiele dafür sind der Osttiroler Altvogel, der seit 2008 wieder alleine fliegt oder die Grande Dame unter den Bartgeiern, das Weibchen Nicola.

Sie verzichtete nach dem Verlust ihres Partners in Heiligenblut fast über ein Jahrzehnt auf einen Partner. Und auch eine kurzzeitige Liaison führte zu keiner dauer­haften Verpaarung mehr.

Oder erklären möglicherweise Fallbeispiele wie jener von Nicola die nicht anwachsende Bartgeierzahl in Österreich? Nicola wurde nämlich Ende Jänner 2012 verendet in Osttirol gefun­den. 

Die Obduktion zeigte, dass sie an einer chronischen Bleivergiftung gestorben ist. Weiters wurden zwei jüngere Bartgeier mit schweren Vergiftungserscheinungen in die Zuchtstation in Haringsee eingeliefert. Im vergangenen Jahr wurden damit drei Vögel mit Bleivergiftungen gefunden. 

Rechnet man hoch, wie viele Tiere eines solchen Hochge­birgsbewohners möglicherweise aufgrund der Unzugänglichkeit des Geländes still und heimlich verenden, stimmt das nachdenk­lich. Aufgenommen wird das – für Greif­vögel gefährliche – Blei über die Nahrung. 

Es stammt aus bleihältiger Jagdmunition. Kleinste Geschoßsplitter oder Bleiabrieb um den Schusskanal werden von den Bartgei­ern mit liegengebliebenem Aas mitgefressen. 

Diese Bleispuren können zu Störungen des zentralen Nervensystems, zu Organversagen und letztlich zum Tod führen. Es ist vermut­lich nur mehr eine Frage der Zeit, bis bleihältige Munition in der Jagdausübung aus­gedient hat  nicht zuletzt auch wegen der Akzeptanz des Lebensmittels Wildbret und der möglichen Auswirkungen von Bleirückständen auch auf den Menschen. 

FREILASSUNGEN BLEIBEN WICHTIG 
Bartgeier legen auf ihren Flügen entlang des Alpenbogens weite Strecken zurück. Immer wieder kommen einzelne Vögel nur für einige Tage oder Wochen in ein Tal, um sich dann ein neues Revier zu suchen. Für Michael Knollseisen ist nach den bisherigen Erfahrungen klar: „Wir werden auch in Hin­kunft noch vereinzelt Freilassungen brau­chen.“ Damit es irgendwann in den Hohen Tauern nicht nur einen stabilen, sondern auch einen wachsenden Bestand von Bart­geiern gibt.


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