Donnerstag, 3. Juli 2014

Nachwuchs bei den Bartgeiern in den Hohen Tauern und Rauris

Der Schutz von Tieren, Pflanzen und Lebensräumen in Europa zeigt Wirkung: Arten, die in unseren Breiten längst als verschwunden galten, erobern sich Terrain zurück. In einer Serie beschäftigt sich das Tauerngold Magazin heute mit der Rückkehr der'Wildtiere. Dieses Mal: Die großen Greifvögel.

Bargeier in der Tauerngold-Region
Im Horst im Rauriser Krumltal herrscht reger Flugverkehr: Seit Mitte März in den Felswänden gut versteckt ein kleiner Bartgeier geschlüpft ist, haben die Altvögel ganz schön viel zu tun, um genügend Futter für den Nachwuchs heranzuschaffen.

Im Rauriser Krumltal begann 1986 die Freilassung der Bartgeier in den Alpen. Es ist die einzige Wiederansiedlung von Wildtieren, die der Nationalpark aktiv betreibt.


Der Jungvogel wächst und wächst. Schon nach vier bis fünf Wochen kommt ein junger Bartgeier auf eineinhalb Kilo, nach sechs Wochen schafft er es, sich erstmals auf die Füße zu stellen und über den Rand des Horstes in die Welt zu schauen. Ein Alwogel bleibt immer am Horst, um den Junggeier vor ungebetenen Eindringlingen zu schützen. Man weiß schließlich nie, ob Adler oder andere Feinde unterwegs sind und die Aufzucht bedrohen.

Von ihren Rundflügen bringen die Alwögel Aas und Knochenreste mit, um es gut zerkleinert in den weit aufgerissenen Schnabel zu stopfen. Anfangs sind es nur kleine Fleischbröckchen, doch im Lauf der Zeit bekommen die jungen Geier schon große Stücke und ganze Knochen. ,,Bartgeier sind sehr fürsorgliche Eltern", erzahltder Biologe Michael Knollseisen, der das Bartgeierprojekt im Nationalpark Hohe Tauern seit Jahren betreut.

Junger Bartgeier
Vier junge Bartgeier
Geht alles gut, dann wird der kleine Bartgeier aus dem Krumltal Mitte Juli zu seinen aufregenden ersten Flugversuchen starten. 

Kilian, einer von zwei im Debanttal freigelassenen Junggeier, erwies sich als echter Schnellstarter: Er machte schon Anfang Juni, wenige Tage nach der Freilassung, seine ersten Flugversuche.

Auch am Katschberg gab es heuer Bartgeier-Nachwuchs. 2014 ist ein gutes Jahr für die Bartgeier im Nationalpark Hohe Tauern", freut sich Knollseisen: Gleich drei Paare - so viele wie noch nie seit Beginn der Wiedereinbürgerung des beeindruckenden Greifvogels haben im Schutzgebiet gebrütet.

Zwei Paare waren erfolgreich: Im Krumltal und am Katschberg sind Junggeier in freier Wildbahn geschlüpft. Außerdem konnten im Mai zwei Jungtiere, die aus einem Zochtprogramm stammen, in der südlichen Schobergruppe freigelassen werden. Damit gibt es vier junge Bartgeier in den Hohen Tauern. Noch ist der natürliche Nachwuchs zu wenig, um eine stabile Population zu sichern. Alle anderen Arten sind natürliche Einwanderer bzw. Rückkehrer.


Termin für die geführte Wanderung ins Tal der Geier - Rauris


Vor der ersten Freilassung war in europäischen Zoos ein Zuchtprogramm gestartet worden. Seit damals wurden alpenweit rund 200 Junggeier ausgewildert, 1997 gab es in Frankreich erstmals Nachwuchs. Seither hat sich die Population in den Alpen gut entwickelt, es gibt rund 200 Bartgeier. Im Engadin brüten beispielsweise regelmäßig 13 Paare.

Bleimunition als Gefahr für die Aasfresser
In den Hohen Tauern sind aktuell 15 bis 20 Bartgeier unterwegs, schätzt Knollseisen. Gerade in Österreich verschwinden aber immer wieder auch Tiere. Die größte Gefahr fur die Aasfresser geht von bleihaltiger Munition aus, weiß der Experte. Die Bartgeier Nicola und Doraja starben vor einemJahr an einer Bleivergiftung. Aber auch illegale Abschüsse dürften immer wieder zur Reduktion des Bestandes in Österreich führen.


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